Text aus: Kirchenvorstand zu St. Sixti in Northeim 1955

DIE CORVINUS-KAPELLE

Im Norden der Stadt Northeim beiderseits der Einbecker Landstraße, hat sich in den letzten Jahrzehnten eine Stadtrandsiedlung entwickelt, die schon 1950 auf etwa 2000 Seelen geschätzt wurde. Hier entstand ein neuer Stadtteil, in dem zur Zeit unvermindert eine rege Bautätigkeit herrscht. In bedeutendem Maße sind es die Vertriebenen aus dem Osten, die sich aus den vollgedrängten Wohnhäusern des Stadtkernes hinaus sehnen, in dem neuen Stadtteil ein Grundstück erwerben und ein Haus errichten.

Weil die kirchliche Betreuung der hier wohnenden Mitglieder der St. Sixti-Kirchengemeinde, weitab von der Sankt Sixti-Kirche, mit sehr erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist, beschloß der Kirchenvorstand im Frühjahre 1951, in diesem neuen Stadtteile eine Kapelle mit etwa 150 Sitzplätzen zu erbauen. Als Bauplatz wurde ein kircheneigenes Feld an der Schumannstraße in Größe von 1400 qm inmitten der Siedlung nördlich der Einbecker Landstraße, gewählt.

Bild 1

Bild 2 Weil diese Landstraße, die Bundesstraße 3, sehr verkehrsreich und geräuschvoll ist, wurde zwischen Straße und Kapelle ein Abstand von 60 Schritten gehalten. Nachdem die Finanzierung des Neubaues gesichert war, wurde das Northeimer Baugeschäft Gebr. Frankenberg im November 1951 mit der Ausführung des Baues beauftragt. Im Juni 1952 konnte die Kirchengemeinde die Kapelle schlüsselfertig übernehmen. Am Erntedankfest 1952 dem 5. Oktober, wurde sie feierlich durch Landessuperintendent Wiebe. Northeim, eingeweiht und ihr die Bezeichnung "Corvinus-Kapelle" gegeben. Corvinus war ein Prediger aus Witzenhausen, der im Jahre 1539 in Northeim die Reformation einführte.

Im Anschluß an die Einweihungsfeier wurde von Pastor Holze die erste Kindtaufe in der Kapelle vorgenommen. Täufling war Erika Meyer, Einbecker Landstraße 62.

Die Kapelle ist im Äußeren schlicht, aber durchaus würdig hergestellt. Hellgrauer Wandputz überzieht den einstöckigen Backsteinbau. Ueber der äußeren Eingangstür hängt ein großes Kreuz aus Eichenholz. Das Innere ist ebenfalls schicht gehalten. Wände und Decke haben weißen Anstrich. 6 große und 3 kleine Fenster, die mit gelben und klaren Scheiben im Wechsel verglast sind, geben dem Raume ein angenehmes Licht. Der Raum ist 9,00 m lang und 7,50 m breit. Als Fußbodenbelag sind schwarze Fliesen gewählt. 2 herabhängende Decken- und 2 Wandleuchter können als künstliche Beleuchtung eingeschaltet werden. Zur Erwärmung dient ein großer eiserner Ofen. In die Ostwand ist eine geräumige Altarnische eingebaut, die einen einfachen Tisch enthält, den eine Bibel und zwei dreiarmige Standleuchter mit Kerzen zieren. Ueber dem Tische, an der Wand, hängt ein mittelgroßes Kruzifix. In der Südostecke des Raumes steht ein gutgebautes Pult, das einstweilen als Kanzel benutzt wird. Zur Begleitung des Gesanges ist ein Harmonium beschafft. 50 bequeme Stühle und 6 einfache Bänke bieten 80 Sitzplätze. Zur Aufstellung weiterer Stühle ist aber noch genügend Platz vorhanden.

Eine schmale Tür in der Nordwand führt in die Sakristei. Die Kosten für den Neubau und seine Inneneinrichtung betrugen etwa 22 000 Deutsche Mark. Der gesamte Bau ist so entworfen und ausgeführt, daß er in späteren Jahren ostwärts ausgedehnt werden kann, wenn seine Vergrößerung notwendig geworden sein sollte. In dem kleinen Glockenturme auf der Kapelle hängt eine im Jahre 1821 von Starke zu Ölmütz gegossene bronzene Glocke, die aus dem Kreise Teschen (Oberschi) stammt und zum Einschmelzen für Kriegszwecke nach Hamburg abgeliefert war. Das Kriegsende hat 1945 die Zerstörung der Glocke verhindert; jedoch wurde ihre Beförderung in die Heimatkirche durch die Abschließung Deutschlands gegen Osten unmöglich gemacht. Ihr fehlt fast jeder Schmuck und sie hat keinerlei Inschriften. Mit einem Durchmesser von 49 cm wiegt sie 40 kg und weist den Schlagton g" plus 8 Sechzehntel Halbton auf. Es handelt sich um eine Leihglocke (Patenglocke), die der Kirchengemeinde St. Sixti von der Transportkommission für die Rückführung der Kirchenglocken zu Hamburg ausgeliehen wurde.

Originaltext und Bild 1 aus
Kirchenvorstand zu St. Sixti in Northeim 1955
Kurze Beschreibung von Karl Behrens
Bild 2 und 3
mit freundlicher Genehmigung von Frau Dymorz (geb. Holze)


Bild 3